Ameise

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DER SCHUHBAUM

 

Mein Schuhbaum, von dem ich hier erzählen möchte, hat seine Heimat am O-Platz in SO-36. Am prächtigsten wirkt er in der kalten kahlen Jahreszeit. Wenn dann der rund 15 Meter hohe Kerl komplett entblättert und wie frisch enthaart vor einem steht und am Glänzen ist. Wenn sein nackiges Geäst wie die greisen knochigen Finger der Totenmannes-Hand in den grauen X-berger Himmel ragen. Dann wird der Schuhbaum erst zum Schuhbaum. Wenn man nämlich die Schuhe deutlich erkennt. So drängen sich einem auch fast zwangsläufig zu Weihnachten und Ostern Assoziationen zum christlich traditionell abverlangten Feiertagsgestrüpp auf. Also Weihnachtsbaum oder Osterstrauch.

Inzwischen habe ich auch schon drei Paar Schuhe am Schuhbaum aufgehängt. Ich erinnere mich noch sehr genau wie ich vor einigen Jahren mein erstes Paar dorthin brachte. Ein Paar Sportschuhe. Ich hatte sie zuhause schon an den Schnürsenkeln zum Paar gebunden und trug sie leger über der Schulter. Als ich mich vom Engelbecken dem Objekt näherte, fiel mir ein, das speziell die Bank beim Baum meist erschöpfend frequentiert war. Von durchschnittlichen Bierliebhabern genauso, wie von strickenden Türkenmamas oder gemischtrassigen Halbstarkenbanden. Astrein, dachte ich bei mir, Publikum fehlte ja noch! So war ich fest gewillt ganz cool zu bleiben, egal wie lange es dauert, bis sie hängen bleiben würden. Mein gesamter Fokus war jetzt nur noch darauf ausgerichtet, mich dieser Sneakers so unauffällig wie möglich zu entledigen. Noch 20 Meter. Ich nahm die Schuhe von der Schulter und griff sie mit Rechts am Scheitelpunkt der Schnürsenkel. Bereit um sie sofort zu werfen. Gleichzeitig entschied ich mich schon aus der Ferne für einen ganz bestimmten Finger dieser üppigen Knochenhand. Ein schöner kräftiger Ast, der mir aus den Wirren des Gezweiges ziemlich Prominent ins Auge stach. Mitten in der Trefferzone. Genau auf der Grenze vom unteren zum mittleren Drittel. So schlenderte ich beinahe Unbeteiligt unter meiner Wunschstelle durch und warf im Vorbeigehen, quasi aus der Hüfte, die Nike´s wie eine Bola hoch in die Lüfte und mitten rein in den Baum. Wusch. Sie kamen nicht zurück. Sie blieben auf Anhieb und in vorbildlichster Weise an dem gewünschten Auswuchs hängen. Doch gleich darauf stellte ich leicht enttäuscht fest, dass meinen lässigen Auftritt wirklich keine Sau gesehen hatte. Niemand des sonst anwesenden Publikums war Vorort. Na Klasse, der Klassiker. Bei einem späteren Paar brauchte ich somit bei vollbesetzter Bank natürlich zwei bis drei Würfe.

Doch ich liebe diesen ollen Schuhbaum und erfreue mich an ihm, wann immer ich dort vorbeikomme.

 

Obwohl ich gestehen muss, keinerlei Ahnung zu haben, ob das alles irgendetwas bedeutet. Genauso wie die Schuhe die man von Zeit zu Zeit auch an Ampeln und Laternen entdecken kann. Kein Plan. Was soll es bedeuten?

Aber eine vage Idee habe ich dennoch. Da gab es mal so eine Hollywood-Klamotte. In dem Film ging es darum, dass die Geheimtypen für den Präsident eine Art Alibi brauchten. Dafür wurde dann ein großer Filmemacher engagiert um einen rührselig fingierten Auslandsaufenthalt zu produzieren. Jedenfalls wurde eine Sequenz dieser gefakten Reportage mit Musik unterlegt. Einem alten Bluessong. In dem Song kam nun irgendetwas mit Shoes vor. Und deshalb, um eine emotionale Rahmenstimmung zu schaffen, wurden aus Marketinggründen alte Schuhe über Laternen geworfen. Der Film endete dann damit, dass der Filmemann seine inszenierte Doku als die beste Arbeit seines Lebens empfand, sich als Produzent öffentlich zu erkennen geben wollte und von den Secret Service Jungs prompt entsorgt wurde. Wie gesagt, nur ein Ami-Streifen. Dennoch kann ich mir gut Vorstellen, das diese ganze Schuhwerferei der vergangenen Jahre durch diesen Film motiviert wurde, an dessen Titel ich mich Weiß Gott nicht mehr entsinnen kann.

 

Vielleicht gibt es ja inzwischen sogar konkrete Schuhbaum-Bedeutungen, was allerdings gerne jemand anders recherchieren darf, jemand, der nicht so eine elende Faultierkralle ist wie ich.  

 

 

Nachtrag...      Im Sommer 2012 wurde der Baum im Auftrag der Stadt vernichtet. Naja, nicht Wörtlich, aber der Baum wurde komplett beschnitten, hat ein Sommerkleidchen gekriegt und bei der Aktion haben die Mörder die gesamten Schuhe gleich mit aus dem Baum gepopelt. Jedoch sind die braven, guten Menschen schon den ganzen Sommer über damit beschäftigt wieder neue Schuhe in die Krone zu pflanzen. Ich habe zum Glück auch schon drei Paar Schuhe hier liegen, die ich selbstverständlich in den nächsten Tagen dieser guten Sache zuführen werde.

 

Schwingen, schwingen, schwingen und Wurf...   Unser Schuhbaum...

 

 

©10.2012 by Ameise